Blogeintrag vom 21.08.2026
Speedsport KW 33/2026: Markham-Premiere, Wehrlein erneut Formel-E-Champion
Foto: © Penske Entertainment: Chris Owens
Speedsport Magazine: Motorsport-Highlights der Woche (KW 33 / 2026)
IndyCar, Markham
Das Debüt des neuen Stadtkurses bei Toronto begann als Blamage. Green Savoree Race Promotions bekam den temporären Kurs nicht rechtzeitig fertig: es fehlten Brückenkonstruktionen, Sicherheitszäune, Kabeltrassen für die Zeitnahme und Reifenstapel. Sämtliche Freitagssitzungen fielen aus, die Zuschauer sahen nur Baumaschinen. Alle Trainings und Qualifying wurden komplett auf den Samstag gequetscht.
Am Sonntag folgte die Wiedergutmachung. Der neue Zwölfkurven-Kurs wurde von den Fahrern gelobt. Der Knackpunkt war die Haarnadel in Kurve 5: bei rund 40 km/h die langsamste Kurve im IndyCar-Kalender. Sechs Gelbphasen, acht Ausfälle, viele Überholvorgänge und sieben Führungswechsel unter fünf Fahrern waren die Bilanz. Alex Palou plädierte hinterher für eine Änderung genau dieser Stelle – der Rest sei fantastisch.
Marcus Ericsson bestätigte seinen Ruf als Stadtkursspezialist. Der Schwede gab die Führung 21 Runden vor Schluss an der Box ab, fiel auf Rang sieben zurück, arbeitete sich auf frischen Alternate-Reifen ohne Hilfe einer Gelbphase zurück nach vorn und ging fünf Runden vor Schluss an Romain Grosjean vorbei. Am Ende lagen 7,5 Sekunden zwischen beiden. Für Ericsson war es der erste Sieg seit St. Petersburg 2023 und das Ende einer Durststrecke von 63 Rennen; für Grosjean der sechste zweite Platz seiner IndyCar-Laufbahn – der erste Sieg fehlt weiter. Bitter endete das Wochenende für Louis Foster: Der Pole-Setter führte die ersten 32 Runden, wurde durch eine Gelbphase auf Rang zwölf zurückgeworfen, kämpfte sich wieder nach vorn und krachte in Runde 43 beim Angriff auf Ericsson in Kurve 3 nach Mauerkontakt frontal in die Streckenbegrenzung.
DTM, Nürburgring
Matteo Cairoli gewann am Samstag von der Pole. Der Emil-Frey-Ferrari führte das Rennen von der ersten bis zur letzten Runde, dahinter kamen Thomas Preining und Marco Wittmann ins Ziel. Es war Cairolis dritter Saisonsieg.
Am Sonntag fiel die Vorentscheidung bereits in Kurve zwei. Tabellenführer Maro Engel drehte seinen Markenkollegen Lucas Auer um, der daraufhin auch noch van der Linde erwischte – alle drei mussten aufgeben. Engel übernahm noch während des Rennens die Schuld und kassierte im Nachgang eine Drei-Plätze-Gridstrafe für den Sachsenring. Für den Monegassen war es die erste Nullnummer nach 18 Rennen in Folge mit Punkten.
Der Schubert-BMW-Pilot arbeitete sich vom sechsten Startplatz nach vorn, profitierte von einem klemmenden Rad bei Ben Dörr und einem verpatzten Stopp bei Cairoli und holte seinen ersten Sieg seit 2024. Hinter ihm sorgte der 18-jährige Tom Kalender für die Überraschung: Der Landgraf-Mercedes-Pilot schnappte sich in der vorletzten Runde Preining und fuhr sein erstes DTM-Podium ein.
Die Tabelle ist damit so eng wie nie: Engel führt mit 160 Punkten vor Preining (159), Thiim (139), Auer (136), Wittmann (135) und Cairoli (127). Bei noch vier ausstehenden Rennen an zwei Wochenenden haben sechs Fahrer realistische Titelchancen.
Formel E, London
Pascal Wehrlein ist zum zweiten Mal nach 2024 Formel-E-Weltmeister. Der Porsche-Werksfahrer gewann am Samstag den ersten Lauf im ExCeL und rettete den Titel am Sonntag trotz einer Nullnummer über die Ziellinie.
Das Finalrennen gewann Taylor Barnard im DS Penske vor Nyck de Vries und Edoardo Mortara; für den Briten war es der erste Formel-E-Sieg und zugleich der letzte Auftritt der Marke DS in der Serie. Jaguar sicherte sich mit 288 Punkten und 17 Zählern Vorsprung auf Porsche die Team-Wertung, die Hersteller-WM hatte Porsche bereits in Tokio klargemacht.
Sportlich stand das Finale allerdings im Schatten der Teamtaktik. Porsche ließ Nico Müller in beiden Rennen als Bremsklotz gegen Mitch Evans arbeiten, Jaguar setzte António Félix da Costa auf Wehrlein an. Der Portugiese fuhr über rund 20 Runden bewusst langsam, drängte Wehrlein in Kurve 20 nach außen ab und ließ dabei ein halbes Feld an beiden vorbeiziehen – darunter Titelrivale Jake Dennis, der damit virtuell in Führung ging.
Kurz darauf kollidierten Wehrlein und Dennis. Dennis musste zum Nasenwechsel an die Box und beendete das Rennen als 18. ohne Punkte, womit der Titel entschieden war; Wehrlein kam als 14. ins Ziel, eine Fünf-Sekunden-Strafe blieb folgenlos. Evans wurde Vierter und verpasste den nötigen Sieg Danach flogen die Vorwürfe in alle Richtungen: Wehrlein nannte da Costas Fahrweise eines der unsportlichsten Dinge, die er je gesehen habe; da Costa sprach von einem bewusst schmutzigen Manöver gegen Dennis; Dennis bezeichnete die Art des Titelgewinns als peinlich. Jaguar-Teamchef Ian James verteidigte das Vorgehen als hart, aber fair – die Rennkommissare sahen keinen Verstoß und sprachen keine Strafe aus.
